Eine Erektion ist zu einem großen Teil ein Gefäßvorgang. Damit ausreichend Blut in die Schwellkörper gelangt, müssen Nervenreize funktionieren, die Gefäßwände reagieren und die zuführenden Arterien genügend Blut transportieren können. Genau deshalb lohnt sich bei neu auftretenden Potenzproblemen ab 40 häufig ein Blick über die Sexualfunktion hinaus.
Eine einzelne schwächere Erektion nach einer kurzen Nacht, viel Alkohol oder einer besonders stressigen Woche ist zunächst wenig aussagekräftig. Interessanter wird das Muster, wenn die Erektionsfähigkeit über Wochen oder Monate nachlässt, morgendliche Erektionen seltener werden oder Schwierigkeiten unabhängig von Situation und Partner auftreten.
Dann kommen neben psychischen Faktoren verstärkt körperliche Ursachen infrage. Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel können sowohl die Gefäße des Herzens als auch die Blutversorgung des Penis beeinträchtigen. Die aktuellen europäischen Leitlinien berücksichtigen bei erektiler Dysfunktion deshalb ausdrücklich das kardiovaskuläre Risikoprofil.
Potenzprobleme sind damit nicht automatisch ein Hinweis auf eine Herzerkrankung. Sie können aber ein guter Anlass sein, einige Werte überprüfen zu lassen, die Männer zwischen 40 und 60 im Alltag leicht aus dem Blick verlieren.
Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsproblemen bestehen
Die Behandlung richtet sich zunächst nach der jeweiligen Ursache. Bei einer erektilen Dysfunktion können unter ärztlicher Begleitung unter anderem sogenannte PDE-5-Hemmer eingesetzt werden. Diese Wirkstoffe werden umgangssprachlich häufig auch als sogenannte Potenzmittel bezeichnet. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Sie beeinflussen die Durchblutung des Penis während sexueller Erregung und können dadurch das Zustandekommen beziehungsweise Aufrechterhalten einer Erektion unterstützen.
Dabei sollte der Einsatz solcher Potenzmittel nicht isoliert betrachtet werden. Eine medikamentöse Behandlung kann zwar die Erektionsfähigkeit beeinflussen, behebt jedoch mögliche zugrunde liegende Erkrankungen wie einen schlecht eingestellten Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder einen bislang unerkannten Diabetes nicht.
Gerade bei Männern ab 40 kann es deshalb sinnvoll sein, Erektionsprobleme auch als möglichen Hinweis auf die allgemeine Gefäßgesundheit zu betrachten. Wer ausschließlich das Symptom behandelt, riskiert, relevante Ursachen zu übersehen. Parallel zur Behandlung sollte daher geprüft werden, ob typische Herz-Kreislauf- und Stoffwechselrisiken vorliegen.
PDE-5-Hemmer führen zudem nicht automatisch zu einer Erektion. Sexuelle Stimulation bleibt erforderlich. Wirkungseintritt und Wirkungsdauer können sich je nach Wirkstoff, Dosierung, Einnahmezeitpunkt und individuellen Faktoren unterscheiden. Bei Sildenafil kann beispielsweise eine sehr fettreiche Mahlzeit den Wirkungseintritt verzögern.
Besondere Vorsicht ist bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforderlich. PDE-5-Hemmer dürfen insbesondere nicht zusammen mit organischen Nitraten angewendet werden, wie sie beispielsweise bei bestimmten Formen der Angina pectoris zum Einsatz kommen. Die Kombination kann zu einem gefährlich starken Blutdruckabfall führen. Bestehende Erkrankungen und regelmäßig eingenommene Medikamente sollten deshalb vor einer entsprechenden Behandlung ärztlich abgeklärt werden.
Warum eine Erektion von gesunden Blutgefäßen abhängt
Bei sexueller Erregung setzt der Körper unter anderem Stickstoffmonoxid frei. Dieser Botenstoff trägt dazu bei, dass sich die glatte Muskulatur in den Gefäßwänden entspannt. Die Arterien des Penis erweitern sich, mehr Blut gelangt in die Schwellkörper und der Abfluss wird vorübergehend eingeschränkt.
Schon kleinere Störungen dieses Systems können die Erektionsqualität beeinflussen. Ein Beispiel ist die sogenannte endotheliale Dysfunktion. Dabei arbeitet die innere Zellschicht der Blutgefäße nicht mehr optimal. Sie tritt unter anderem im Zusammenhang mit Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten auf.
Das erklärt auch, warum sich Potenz und Herz-Kreislauf-Gesundheit nicht sauber voneinander trennen lassen. Die Blutgefäße des Penis und die Herzkranzgefäße gehören zum selben Gefäßsystem und sind vielen derselben Belastungen ausgesetzt.
Ein 48-jähriger Mann mit zunehmendem Bauchumfang, wenig Bewegung, erhöhtem Blutdruck und seit einigen Monaten nachlassender Erektionsfähigkeit hat deshalb ein anderes Ausgangsprofil als ein gleichaltriger Mann, bei dem ausschließlich in einzelnen Stresssituationen Probleme auftreten und spontane beziehungsweise morgendliche Erektionen unverändert vorhanden sind.
Kleine Gefäße zeigen Veränderungen häufig früher
Die Gefäße, die den Penis versorgen, besitzen einen kleineren Durchmesser als viele größere Arterien. Gefäßveränderungen können sich dort deshalb unter Umständen früher funktionell bemerkbar machen.
Genau aus diesem Zusammenhang entstand die sogenannte „Artery-Size“-Hypothese: Eine systemische Gefäßerkrankung betrifft nicht nur einen einzelnen Körperbereich, ihre Auswirkungen werden in kleineren Arterien jedoch möglicherweise früher spürbar.
Das bedeutet nicht, dass hinter jeder erektilen Dysfunktion eine verengte Herzkranzarterie steckt. Der Princeton-IV-Konsens geht jedoch ausdrücklich davon aus, dass Männer mit erektiler Dysfunktion kardiovaskulär nicht vorschnell als risikofrei betrachtet werden sollten und empfiehlt eine entsprechende Risikobeurteilung.
Besonders aufmerksam sollte das Gesamtbild betrachtet werden, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:
- die Potenz nimmt über Monate kontinuierlich ab,
- morgendliche oder spontane Erektionen werden deutlich seltener,
- Bluthochdruck oder Diabetes sind bekannt,
- es wird geraucht,
- Übergewicht beziehungsweise ausgeprägtes Bauchfett besteht,
- die Blutfettwerte sind erhöht oder unbekannt,
- nahe Angehörige hatten früh Herzinfarkte oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Je mehr dieser Faktoren gleichzeitig vorhanden sind, desto sinnvoller ist es, nicht nur die Erektionsprobleme selbst zu behandeln.
Gemeinsame Risikofaktoren für Potenzprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bei Männern über 40 steckt hinter Potenzproblemen häufig nicht der eine entscheidende Auslöser. Typischer ist eine Kombination aus mehreren kleineren Belastungen.
Ein wenig zu hoher Blutdruck, einige zusätzliche Kilogramm am Bauch, kaum Bewegung und leicht erhöhte Blutzuckerwerte erscheinen einzeln möglicherweise wenig dramatisch. Zusammen können diese Faktoren die Gefäßgesundheit jedoch über Jahre beeinträchtigen.
Genau deshalb ist eine nüchterne Bestandsaufnahme sinnvoller als die Suche nach einem vermeintlichen „Potenzproblem“.
Bluthochdruck
Bluthochdruck ist tückisch, weil er lange keinerlei Beschwerden verursachen kann. Das subjektive Gefühl, keinen hohen Blutdruck zu haben, sagt daher wenig über die tatsächlichen Werte aus.
Eine einfache Möglichkeit zur ersten Orientierung ist eine strukturierte Messwoche zu Hause. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt für eine solche Dokumentation morgens und abends jeweils zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute über sieben Tage. Vor der Messung sollte etwa fünf Minuten ruhig gesessen werden.
Damit wird aus dem unspezifischen Hinweis „Blutdruck kontrollieren“ eine konkrete Maßnahme. Auffällige Werte können anschließend ärztlich eingeordnet werden.
Besteht bereits eine Hypertonie, sollte außerdem geprüft werden, ob sie ausreichend behandelt ist. Blutdruckmedikamente dürfen bei Potenzproblemen keinesfalls eigenständig reduziert oder abgesetzt werden. Stattdessen kann ärztlich geklärt werden, ob Erkrankung, Medikament oder beide Faktoren zur Erektionsstörung beitragen.
Diabetes und erhöhte Blutzuckerwerte
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann kleine Blutgefäße und Nerven schädigen. Beide spielen für eine normale Erektion eine zentrale Rolle.
Problematisch ist, dass Typ-2-Diabetes häufig nicht plötzlich beginnt. Bereits vor der Diagnose können über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte bestehen. Bei wiederkehrenden Erektionsproblemen kann deshalb ein Nüchternblutzucker beziehungsweise HbA1c sinnvoll sein.
Die europäische urologische Leitlinie zählt die Kontrolle von Nüchternblutzucker oder HbA1c zur Basisdiagnostik, sofern innerhalb des vergangenen Jahres keine entsprechenden Werte erhoben wurden.
In der Praxis ist insbesondere der HbA1c hilfreich, weil er die durchschnittliche Blutzuckerbelastung über einen längeren Zeitraum widerspiegelt. Auffällige Ergebnisse gehören anschließend ärztlich bewertet und nicht anhand einzelner Internet-Grenzwerte selbst diagnostiziert.
Erhöhte Cholesterinwerte
Auch die Blutfette verdienen Aufmerksamkeit. Vor allem ein dauerhaft erhöhtes LDL-Cholesterin begünstigt arteriosklerotische Ablagerungen in den Gefäßwänden.
Ein sinnvoller Laborcheck umfasst deshalb nicht nur das Gesamtcholesterin, sondern in der Regel auch LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceride. Ein solches Lipidprofil gehört ebenfalls zur empfohlenen Basisabklärung einer erektilen Dysfunktion, wenn innerhalb des vergangenen Jahres keine aktuellen Werte vorliegen.
Die Aussagekraft entsteht allerdings erst zusammen mit anderen Faktoren. Derselbe LDL-Wert kann bei einem ansonsten gesunden Nichtraucher anders bewertet werden als bei einem Mann mit Diabetes, Bluthochdruck und familiärer Herzinfarktbelastung.
Übergewicht und Bewegungsmangel
Beim Körpergewicht lohnt sich ein zweiter Blick. Zwei Männer können denselben BMI haben und dennoch ein unterschiedliches Risikoprofil aufweisen. Besonders relevant ist Fettgewebe im Bauchraum.
Aus diesem Grund gehört neben dem BMI auch der Taillenumfang zu den Parametern, die im Rahmen der urologischen Basisabklärung berücksichtigt werden können.
Für den Alltag ist weniger eine einzelne Messung als die Entwicklung interessant. Körpergewicht und Bauchumfang können beispielsweise einmal monatlich unter möglichst ähnlichen Bedingungen dokumentiert werden. Sinkt der Bauchumfang über mehrere Monate und verbessert sich parallel die körperliche Leistungsfähigkeit, ist das oft aussagekräftiger als tägliche Schwankungen auf der Waage.
Bewegungsmangel lässt sich ähnlich pragmatisch betrachten. Entscheidend ist nicht, ob eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio besteht, sondern wie viele Stunden pro Woche tatsächlich in Bewegung verbracht werden.
Rauchen
Bei kaum einem Risikofaktor ist die Verbindung zur Gefäßgesundheit so unmittelbar wie beim Rauchen. Bestandteile des Tabakrauchs fördern Gefäßschäden und arteriosklerotische Veränderungen. Genau das kann sowohl Herzkranzgefäße als auch die Blutversorgung des Penis beeinträchtigen.
Ein Rauchstopp ist daher keine bloße Zusatzempfehlung zur Potenzbehandlung, sondern eine konkrete Maßnahme zur Reduktion eines gemeinsamen Risikofaktors.
Dabei muss der Rauchstopp nicht ausschließlich über Willenskraft erfolgen. Bei ausgeprägter Nikotinabhängigkeit kommen strukturierte Entwöhnung, ärztliche Beratung und geeignete unterstützende Verfahren infrage.
Warum Potenzprobleme ab 40 medizinisch ernst genommen werden sollten
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine Erektion einmal nicht funktioniert hat. Wichtiger sind Häufigkeit, Verlauf und Begleitumstände.
Eine ärztliche Abklärung wird insbesondere relevant, wenn Schwierigkeiten wiederholt auftreten, über Wochen beziehungsweise Monate bestehen oder sich schleichend verstärken. Gleiches gilt, wenn gleichzeitig bekannte Gefäßrisiken bestehen.
Für einen ersten Termin können einige Informationen vorbereitet werden. Besonders hilfreich sind:
- seit wann die Beschwerden bestehen,
- ob sie plötzlich oder schleichend begonnen haben,
- ob morgendliche beziehungsweise spontane Erektionen noch auftreten,
- ob die Beschwerden in jeder Situation bestehen,
- welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden,
- ob geraucht wird,
- bekannte Blutdruckwerte,
- bekannte Blutzucker- und Cholesterinwerte,
- bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- familiäre Belastungen durch frühzeitige Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
Die medizinische Basisabklärung ist meist überschaubar. Die EAU-Leitlinie nennt unter anderem Blutdruck und Herzfrequenz, BMI beziehungsweise Taillenumfang, Nüchternblutzucker oder HbA1c, Blutfettprofil sowie morgendliches Gesamt-Testosteron.
Ein praktischer Gesundheitscheck bei wiederkehrenden Beschwerden
Statt wahllos zahlreiche Untersuchungen durchführen zu lassen, kann die erste Bestandsaufnahme auf einige Kernpunkte reduziert werden:
- Blutdruck: Sind aktuelle Werte vorhanden? Falls nicht, kann eine dokumentierte Messwoche eine gute Grundlage für den Arzttermin bilden.
- Blutzucker: Sind HbA1c oder Nüchternblutzucker aus den vergangenen zwölf Monaten bekannt?
- Blutfette: Liegen aktuelle Werte für LDL, HDL und Triglyceride vor?
- Bauchumfang und Gewicht: Haben beide in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen?
- Medikamente: Gibt es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Beginn oder Änderung einer Therapie und den Potenzproblemen?
- Hormone: Bestehen zusätzlich deutlicher Libidoverlust, ungewöhnliche Müdigkeit oder andere Hinweise auf einen möglichen Testosteronmangel, kann ein morgendlicher Testosteronwert Teil der Abklärung sein.
- Belastbarkeit: Treten beim Treppensteigen, Sport oder anderen körperlichen Belastungen Brustschmerzen, auffällige Atemnot, Schwindel oder ein ungewohnter Leistungseinbruch auf, gehört dies zeitnah medizinisch beurteilt.
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Potenzprobleme allein sind normalerweise kein Notfall. Akute Brustschmerzen oder schwere Atemnot sind dagegen unabhängig von der Sexualfunktion Symptome, die dringend medizinisch abgeklärt werden müssen.
Lebensstil als wichtiger Bestandteil der Behandlung
„Mehr Sport und gesünder essen“ gehört zu den häufigsten Ratschlägen bei nahezu jeder Zivilisationskrankheit. Ohne konkrete Umsetzung bleibt dieser Hinweis jedoch wenig hilfreich.
Bei Potenzproblemen mit möglicher Gefäßkomponente sind vor allem Maßnahmen interessant, die gleichzeitig Blutdruck, Blutzucker, Gewicht und Gefäßfunktion verbessern können.
Regelmäßige Bewegung unterstützt die Gefäßgesundheit
Als langfristiges Ziel gelten mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche oder alternativ 75 Minuten intensivere Aktivität. Ergänzend empfiehlt die American Heart Association Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Das muss nicht zwangsläufig in fünf Fitnessstudio-Terminen enden. Ein realistischer Wochenplan könnte beispielsweise so aussehen:
- Montag: 30 Minuten zügiges Gehen
- Dienstag: 20 bis 30 Minuten Krafttraining
- Mittwoch: 30 Minuten Radfahren
- Freitag: 30 Minuten zügiges Gehen
- Samstag oder Sonntag: 45 bis 60 Minuten Wandern, Radfahren oder eine andere Ausdaueraktivität
Bei bislang fast vollständig inaktivem Alltag ist ein kleinerer Einstieg sinnvoller. Drei Spaziergänge von jeweils 20 bis 30 Minuten pro Woche sind nachhaltiger als ein überambitioniertes Programm, das nach zwei Wochen wieder endet.
Auch langes Sitzen sollte unterbrochen werden. Schon zusätzliche Alltagsbewegung ist besser als vollständige Inaktivität.
Eine herzgesunde Ernährung kann auch der Potenz zugutekommen
Für die Gefäße existiert kein einzelnes „Potenz-Lebensmittel“. Entscheidend ist das Ernährungsmuster über Monate und Jahre.
Eine herzfreundliche Ernährung setzt vor allem auf Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch und überwiegend ungesättigte Fette. Stark verarbeitete Lebensmittel, große Mengen verarbeitetes Fleisch, zuckerreiche Getränke und sehr fettreiche Fertiggerichte sollten dagegen seltener auf dem Speiseplan stehen.
Der praktischste Ansatz besteht häufig darin, nicht die gesamte Ernährung auf einmal umzustellen. Effektiver können drei feste Veränderungen sein:
- zu jeder Hauptmahlzeit Gemüse oder Salat,
- Wasser beziehungsweise ungesüßte Getränke statt regelmäßiger Softdrinks,
- mehrere stark verarbeitete Mahlzeiten pro Woche durch einfache Gerichte aus Gemüse, Vollkornbeilage und Proteinquelle ersetzen.
Damit entstehen Gewohnheiten, die auch nach mehreren Monaten noch funktionieren können.
Körpergewicht und Bauchumfang im Blick behalten
Bei bestehendem Übergewicht muss nicht zuerst ein „Idealgewicht“ erreicht werden, bevor gesundheitliche Verbesserungen möglich sind. Schon eine schrittweise Reduktion des Gewichts kann Stoffwechsel und Blutdruck positiv beeinflussen.
Besonders praktisch ist die Kombination aus Waage und Maßband. Das Körpergewicht kann beispielsweise einmal pro Woche, der Taillenumfang einmal pro Monat unter ähnlichen Bedingungen erfasst werden.
Der Vorteil: Krafttraining oder Veränderungen der Körperzusammensetzung können dazu führen, dass sich auf der Waage weniger verändert, während der Bauchumfang bereits sinkt.
Wer zusätzlich Blutdruck und Laborwerte dokumentiert, erhält nach einigen Monaten ein wesentlich klareres Bild. Dann lässt sich beurteilen, ob sich nicht nur die Potenz, sondern auch die zugrunde liegenden Risikofaktoren verbessern.
Schlaf und Stress nicht unterschätzen
Nicht jedes Potenzproblem nach einer anstrengenden Woche ist ein Gefäßproblem. Chronischer Schlafmangel und dauerhafter Stress können Sexualfunktion, Blutdruck, Stoffwechsel und allgemeine Leistungsfähigkeit gleichzeitig beeinflussen.
Statt des unspezifischen Vorsatzes „weniger Stress“ sind feste Routinen hilfreicher. Dazu gehören konstante Schlafzeiten, ausreichende Schlafdauer und regelmäßige Phasen ohne berufliche Erreichbarkeit.
Eine weitere praktische Frage betrifft das Schnarchen. Lautes regelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer und starke Tagesmüdigkeit können Hinweise auf eine Schlafapnoe sein. Diese tritt häufig gemeinsam mit Übergewicht und Bluthochdruck auf und sollte medizinisch abgeklärt werden.
Psychische und körperliche Ursachen können gleichzeitig auftreten
Die Unterscheidung zwischen „rein körperlich“ und „rein psychisch“ funktioniert in der Praxis häufig nicht. Ein anfänglich körperliches Problem kann schnell eine psychische Eigendynamik entwickeln.
Nach einigen erfolglosen Versuchen entsteht möglicherweise Erwartungsdruck. Beim nächsten sexuellen Kontakt richtet sich ein Teil der Aufmerksamkeit darauf, ob die Erektion ausreichend fest bleibt. Diese Anspannung kann das Problem wiederum verstärken.
Trotzdem gibt es Hinweise, die bei der ersten Einordnung hilfreich sein können.
Eher für eine körperliche Komponente sprechen:
- schleichender Beginn,
- zunehmende Verschlechterung,
- Probleme unabhängig von der Situation,
- deutlich seltenere morgendliche oder spontane Erektionen,
- gleichzeitig bestehende Gefäßrisiken wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Eher für eine ausgeprägte situative oder psychische Komponente sprechen:
- sehr plötzlicher Beginn,
- Schwierigkeiten nur in bestimmten Situationen,
- normale spontane beziehungsweise morgendliche Erektionen,
- deutlicher Zusammenhang mit Stress, Konflikten oder Leistungsdruck.
Diese Hinweise erlauben keine Selbstdiagnose. Sie können jedoch helfen, Beschwerden beim Arzt konkreter zu beschreiben.
Auch Mischformen sind häufig. Ein Mann mit leicht eingeschränkter Durchblutung kann zusätzlich Leistungsangst entwickeln. In solchen Fällen kann die Kombination aus medizinischer Behandlung und psychotherapeutischer beziehungsweise sexualmedizinischer Unterstützung sinnvoller sein als die Konzentration auf nur einen Faktor.
Fazit: Potenz als Teil der allgemeinen Männergesundheit
Wiederkehrende Potenzprobleme ab 40 verdienen mehr Aufmerksamkeit als die pauschale Erklärung, das Alter mache sich bemerkbar. Eine Erektion hängt wesentlich von einer funktionierenden Durchblutung ab – und viele Faktoren, die Herz und Gefäße belasten, können gleichzeitig die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
Der sinnvollste erste Schritt besteht deshalb nicht in einer komplizierten Spezialdiagnostik, sondern in einer nüchternen Bestandsaufnahme:
- Sind die Beschwerden einmalig oder bestehen sie seit Wochen beziehungsweise Monaten?
- Sind aktuelle Blutdruckwerte vorhanden?
- Wann wurden HbA1c beziehungsweise Nüchternblutzucker und Blutfette zuletzt bestimmt?
- Haben Gewicht und Bauchumfang deutlich zugenommen?
- Wird geraucht?
- Bestehen bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
- Gibt es eine familiäre Vorbelastung?
- Welche Medikamente werden regelmäßig eingenommen?
- Treten noch morgendliche oder spontane Erektionen auf?
Damit erhält ein Arzt wesentlich mehr verwertbare Informationen als durch die Aussage, die Potenz sei „in letzter Zeit schlechter geworden“.
Internationale Expertenempfehlungen betrachten erektile Dysfunktion inzwischen ausdrücklich auch als möglichen Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Das bedeutet nicht, hinter jedem Potenzproblem eine Herzerkrankung zu vermuten. Es bedeutet vielmehr, eine Gelegenheit zur Vorsorge nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
Medikamente können die Erektion gezielt unterstützen. Langfristig ist jedoch ebenso wichtig, die Bedingungen zu verbessern, unter denen eine Erektion überhaupt entsteht: funktionierende Gefäße, kontrollierter Blutdruck, ein möglichst gesunder Stoffwechsel, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf vermeidbare Gefäßbelastungen wie Rauchen.
So wird aus dem Thema Potenz ab 40 keine isolierte Frage der Sexualität, sondern ein konkreter Anlass, die eigene Herz-Kreislauf-Gesundheit genauer zu betrachten.
